september 2026
Die Grüne Lady auf Westkurs
Zum Schluss der Segelsaison 2026 bin ich (ohne Eva), aber dafür mit 75 anderen Personen) für knapp 2 Wochen mit der '''Grünen Lady'' (= Alexander von Humboldt II;, nicht gerade der passende Name für eine Lady..) von Bremerhaven (D) nach Portsmouth (GB) gesegelt.
Die '''Grüne Lady'' (umfassende Info's zu finden unter www.alex-2.de) ist eine (2011 in Dienst gestellte) Bark mit dem Namen '''Alexander von Humboldt II. Sie wird von der Stiftung '''Deutsche Stiftung Sail Training'' betrieben und fährt als Segelschulschiff unter deutscher Flagge.. Die Stiftung bietet allen Interessierten die Möglichkeit unter fachkundiger Leitung das Hochseesegeln auf Traditionsschiffen zu lernen und zu betreiben.
Daten und Fakten zur Bark ''Alex 2''

Länge über Alles
Breite auf Spanten
Tiefgang
Höhe Grossmast
Segelfläche
Anzahl Segel
Geschwindigkeit unter Segel
Geschwindigkeit unter Motor
65.Meter
10 Meter
5.10 Meter
38 Meter
1'360 m2
24 Stück
12 - 13 Knoten
10 Knoten
Der Segelplan der Alex 2

Nachfolgend ein kleiner Bericht über die Fahrt mit der Alex II
Da die Anreise ja auch zur Reise gehört und ich gerne Abenteuer erlebe, nehme ich nach Bremerhaven für einmal wieder die Deutsche Bahn........., reise jedoch bereits einen Tag früher los (man weiss je nie, zudem beginnt der Törn mit der ''Alex 2'' bereits um 10 Uhr am Morgen)
Den, vor ein paar Wochen reservierten, Zug fährt jedoch am Sonntag, 20.09.26 infolge irgendeiner Streckensperrung gar nicht. Statt in Basel in den Zug einzusteigen und in Bremen auszusteigen, heisst es nun;; mit dem Auto nach Offenburg, dann mit dem Zug zum Umsteigen nach Mannheim und weiter mit dem Zug über Bremen. Von dort mit dem Regionalzug nach Bremerhafen.
Bin am späteren Nachmittag erfolgreich am Ziel (Bremerhaven) angekommen. Verbringen den Abend noch in Hafenquartier von Bremerhaven mit einem griechischen Abendessen.


Der erste Tag an Bord der Alex 2 beginnt mit einklarieren und die Bunk in der 4 - er Kajüte beziehen. Es folgt die Einteilung in eine der drei Wachen (ich erwische die Wache (genannt Hundewache) von 12.00 - 16.00 Uhr und von 00.00 - 04.00 Uhr. Anschliessend muss der gesamte Proviant für mehrere Wochen eingeladen und verstaut werden, diese Übung dauert (mit viel warten) doch den ganzen Nachmittag.
Nach dem Abendessen folgt noch der erste Teil der Sicherheitseinweisung, Fluchtwege und Notaus-stiege usw. Gegen 20.30 Uhr ist für heute Schluss.
Plan für morgen (kann jedoch noch ändern) ist, dass wir erst gegen 18.00 Uhr auslaufen. Erstens, da der Wind heute Nacht noch anständig bläst und zweitens weil die Gezeiten erst am späten Nachmittag
günstig für das Auslaufen aus Bremerhaven sind.
Von Bremerhaven (22.09.26) nach Esbjerg in Dänemark (23.09.26)
Dienstag
Der Plan bleibt so, wie er gestern angekündigt wurde, dies bedeutet das Auslaufen wird erst um 18.00 Uhr stattfinden. Dies gibt den Trainees die Gelegenheit das Schiff, das Rigg, die Takelage und das Hoch-steigen in die 3 Masten kennen zu lernen.



Um 17.00 Uhr klarieren wie die Alex 2 und laufen um 17.30 Uhr bei Niedrigwasser aus. Damit wir aus dem Fischereihafen in die Nordsee kommen, muss zuerst durch die Doppelschleuse von Bremerhaven gefahren werden..



Auf dem Weserfahrwasser begegnet uns einiges an Verkehr. Geniessen das herrliche Wetter und den schönen Sonnenuntergang / Mondaufgang und warten während der Motorfahrt auf ein wenig Wind.
Mittwoch
Beginne Mittwoch um 00.00 Uhr mit meinem ersten Wachdienst.
In der 2. Nachthälfte brist es langsam auf und wir sehen die ersten Wolken am Himmel
Auf der Höhe der Insel Helgoland reicht der Wind aus erstes Mal ein Segel (das Fockstengel-stagsegel) am Vormast setzen können..
Anschliessend ist 04.00 Uhr Wachwechsel an-gesagt und es bleibt Zeit für ein paar wenige Stunden Schlaf.
Als ich nach meiner Nachtwache am Morgen wieder an Deck auftauche, hat in der Zwischen-zeit der Wind (SSW 3 - 4) leicht aufgebrist. Somit hat sich die Anzahl der gesetzten Segel deutlich erhöht..
(Der stärkere Wind und die höheren Wellen fordert seine Opfer; die ersten Fälle von leichter See-krankheit sind zu sehen.)
Die Sonne hat sich hinter den Wolken versteckt und zudem setzt nun leichter Nieselregen ein.
Auf der Fahrt durch die deutsche Bucht ist nicht viel los, man sieht weder Land noch andere Schiffe.


Am Mittwoch laufen wir gegen 17.00 Uhr an der dänischen Nordseeküste den grossen Hafen von Es-bjerg an. Ein typischer Industriehafen, nicht sehenswert, aber wir sind hier, Wir belegen in einem grossen Hafenbecken längs am Quai. Wir haben Esbjerg angelaufen, da einerseits Diesel gebunkert werden soll und andererseits für das Wetter starker Wind mit Böen bis 40 (8 / 9 Beaufort) Knoten angesagt sind.
Da wir in einem Hafen liegen wird der normale Wachdienst aufgehoben. Es wird nur noch eine Hafenwache (2 Mann x 2 Stunden) benötigt. Übernehme die Wache von 00.00 – 02.00 Uhr und gehe anschliessend schlafen.


Donnerstag
Verbringen den ganzen Morgen und den halben Nachmittag in Esbjerg. Wie angesagt, hat der Wind in der Frühe zugenommen und bläst mit starken Böen (NW 6 / 7 (8)) durch den Hafen. Der Himmel ist bewölkt und es ist kühl.
Gehe gehen 10..00 Uhr in die Innenstadt von Esbjerg, Die Stadt bietet eine grosszügige Fussgängerzone, jedoch ist um diese Zeit noch gar nichts los. Nach einem Kaffestopp geh ich wieder zurück auf die ''Alex 2'', bei welcher anfangs Nachmittag Diesel (40 Tonnen =44.0925 Amerikanische Tonnen ca. 50'000 Liter) gebunkert wird..
Wie vorhergesagt lässt der Wind lässt nach und geht auf etwa NW 5 Bft. zurück. Die Alex II wird für das Ablegen vorbereitet.

Von Esbjerg (24. 09.26) nach Portsmouth (30.09.26)
Donnerstag
Gegen 16.00 Uhr laufen wir aus Esbjerg mit Ziel Portsmouth aus.
Vor der dänischen Küste wird der Wind im Verlaufe des Abends zunehmend schwächer und der Himmel klart auf.
Nach Mitternacht ist ein erstes Mal wieder segeln möglich.
Trotz gutem Wind mit ca. 3 Beaufort und moderater Welle zeigen sich jetzt die Unterschiede zwischen einem Rahsegler und einer modernen Segelyacht..
Die ''Alex 2 '' hart am Wind zu segeln ist nur beschränkt möglich. Maximale Höhe an den Wind liegt bei circa 60° - 65°, dabei liegt die Geschwindigkeit bei moderatem Wind nicht viel über 3 Knoten.
Segel setzen, reffen und bergen dauert ewig und noch etwas länger. Setzen von 2 - 3 Rahsegeln und 2 - 3 Focksegeln dauert mit 12 - 16 Mann Besatzung mindestens 2.0 Stunden. Beim Halsen die Rahen umzubrassen benötigt etwa die gleiche Zeitdauer.


Freitag
bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen fahren wir in einem Mix aus Segeln und Motoren durch die Deutsche Bucht.
Alle 3 Wachen sind mit den ganzen Tag mit Riggarbeiten wie Segel setzen, trimmen und bergen beschäftigt.
Zudem gilt es einige Male sämtliche Rahen umzubrassen.
Am Abend schieben sich die Wolken vor den Vollmond, die Nacht wird kühl und dunkel.



Samstag
Die Sonne ist zurück, der Wind lässt sich noch bis gegen 10.00 Uhr Zeit, damit wir wieder in den Segelmodus umstellen können. Bis Anfangs nachmittag sind 12 von 24 Segel an den 3 Masten gesetzt.


Mit 60° Grad am Wind bringt uns unserer Kurs zwar in Richtung Ärmelkanal, aber bei 3 Beaufort Wind läuft die “Alex 2“ nicht mehr als 3.0 – 3.5 Knoten. An den 2 vorderen Masten setzen wir zusätzlich noch 2 Bram- und 1 weiteres Stagsegel..



Gegen Ende Nachmittag erreichen wir, auf der Höhe der Niederlande, das erste Verkehrtrennungs-gebiet, welches in den Ärmelkanal führt. Da der Wind wieder gedreht hat und schwächer wird, wer-den für die kommende Nacht einige der oberen Segel wieder geborgen. Dies bedeutet in die Masten zu den Rahen aufzusteigen, dort die Segel festbinden. Den Rest des Tages laufen wir unter Motor weiter.
Sonntag



Bei leicht bewölktem Himmel und immer noch angenehmen Temperaturen werden früh am morgen die Segel erneut gesetzt. Wir segeln auf Halbwindkurs bei Windstärke SSE / SE 3 - 4 und laufen an der nördlichen Grenze des VTS in Richtung Ärmelkanal.
Am späteren Nachmittag dreht der wind nach NW / NNW und da wir so weder Richtung noch Ge-schwindigkeit halten können, heisst es erneut Segel bergen. Abends ziehen die Wolken vor die Sonne und die Lufttemperatur steigt bis um Mitternacht bis auf 19° an.
Montag
Sind immer noch auf dem Weg in Richtung englischer Kanal. Der Wind hat kommt wieder aus N / NE und bläst moderat mit 2 - 3 Knoten. Der Schiffsverkehr nimmt zu, wir versuchen ausserhalb des VTS zu fahren, da wir dann nicht ausweichpflichtig sind.
Im Verlaufe des Tages werden an allen 3 Masten laufend zusätzliche Segel gesetzt und zusammen mit dem mitlaufenden Strom segeln wir mit 5 - 6 Knoten Fahrt..

Ab Abends sehen wir zum ersten Mal seit Don-nerstag auf der Steuerbordseite wieder Land (Cap Dungeness an der englischen Südküste). Gegen 21.30 Uhr sind wir nach über 4 Tagen in der Meer-enge von Dover, welches wir an Steuerbord sehen, auf der linken Seite leuchten sie Lichter von Calais.
Dienstag
Nachts verdichten sich die Wolken und nach Mit-ternacht fängt der Regen an.
Ca. um 08.30 Uhr queren wir, wieder bei Sonnenschein und unter Segeln) den Null - Meridian und sind jetzt auf der westlichen Erdhalbkugel.
Der Null -Meridian läuft im Londoner Stadtteil mitten durch die Sternwarte von Greenwich. Bei Interesse sind gute Information auf der Webseite (???????) zu finden.



Segeln im englischen Kanal, am Nachmittag dreht der Wind Richtung Osten und die Flut läuft mit uns. Nach dem wir noch einige Segel mehr setzen und de Rahen nachbrassen laufen wir mit über 11 Knoten Fahrt bei wenig Wellen von achtern auf die ''Isle of Wight'' zu und dann weiter in Richtung Fastnet Rock / The Needles..
Nach einer Halse (mit der Mehrzahl der Rahsegel gesetzt), segeln wir in Richtung Südküste der Isle of Wight.. Ziel dieser Übung verstehe ich nicht so ganz, hat vielleicht damit da zu tun, das wir nicht zu früh im Zielhafen ankommen wollen.

Mittwoch
Segeln die ganze Nacht durch und sind am Morgen wieder westlich der Insel ''Isle of Wight''.
Fahren zur Abwechslung jetzt einmal eine Wende (geht nur mit Bugstrahlruder) und Alls grosse ÜBERRASCHUNG geht es wieder einmal in Richtung der ''Isle of Wight''.
Nachdem das alle Segel sehr schön aufgebun-den sind, gehen wir vor der Insel Wight auf Reede. Wir liegen ca. 6 Meilen von Portsmouth vor Anker.





Donnerstag
Nach ruhiger Nacht (ohne Wache für mich) gemütliches Aufstehen und Frühstücken. Kurz vor dem Auslaufen bekommen wir Besuch von der Brig ''RS Royality'' (Ausbildungsschiff der englischen Navy).
Um 08.30 Uhr hieven wir den Anker hoch und um 09.00 Uhr kommt der Lotse (Für die Einfahrt nach Portsmouth brauchen Schiffe über 50 m einen Lotsen). Die kurze Strecke von 7 Meilen laufen wir unter Motor, kurz nach 10.00 Uhr belegen wir in Portsmouth am Aussensteg der Gunwarf Marina.







Den Rest des Tages sind wir beschäftigt mit ''rein Schiff', einem kurzen Landgang.
Zum Abschluss der Reise von Bremerhaven nach Portsmouth endet der Tag auf der Alex 2 mit dem ''Captain's Dinner.




Fazit
Die Reise von Bremerhaven nach Portsmouth auf der grossen Bark
'''Alexander von Humboldt II'' war eine neue Erfahrung. Nicht zu ver-gleichen mit einem Törn auf einer Segelyacht.
- mit über 70 Mitseglern auf einem Boot, Wache zu gehen, die Anzahl der Segel und die Arbeit um die Segel zu setzen und zu bergen -, beginnt am Anfang mit einem zusammen gewürfelten Haufen und endet am Ende in einem eingespielten Team.
Ein weiteres Highlight der vergangenen 12 Tage war sicher das Wetter, annehme (schon fast warme) Temperaturen und beim Segeln - immer gewünscht- praktisch keinen Regen
Es hat Spass gemacht, kann ich auch anderen Hardcore - Yachties nur empfehlen.
